Es hat eine Zeit gegeben, da beteten fromme Kirchgänger in den unwirtlichen Küstendörfern im schleswig-holsteinischen Nordostraum um Strandgut, also um „Guten Strand“, und man hoffte auf die Beute im Orkan untergegangener Schiffe.
Die Bewohner/innen der Insel Fehmarn – mit 185 Quadratkilometern die drittgrößte deutsche Insel oder gelegentlich auch der 6. Kontinent genannt – pflegten zu sagen: „Wi föhrt nach Europa“, wenn sie auf ihren klobigen Kuttern die kurze Strecke des Fehmarnsunds nach Heiligenhafen oder Großenbrode überquerten.
Das überaus reizvolle, 1.392 Quadratkilometer große Gebiet des heutigen Kreises Ostholstein hatte einst Wildnischarakter. Auf den Wegen, die von der Hansestadt Lübeck nordwärts führten, herrschte Faustrecht. Wer konnte ahnen, dass gerade dieser so abgeschiedene Teil des 185 Kilometer langen Küstenlandes an der Ostsee eine Bedeutung wie kaum ein anderer Raum in Europa erlangen sollte?
Heute ist dieses Ostholstein, der Kreis am Meer, längst aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Typisch ist neben der Ostseeküste auch die hügelige Endmoränenlandschaft mit einer Vielzahl von Knicks – das sind freiwachsende Wallhecken -, Seen und wildreichen Wäldern. Im Mai, wenn der Raps in voller Blüte steht, ist Ostholstein ein kleiner Traum in Gelb.
Ostholstein steht für Ostseeküste und Holsteinische Schweiz – zwei Begriffe, die nicht nur Urlauberherzen höher schlagen lassen. Ostsee – das sind die kilometerlangen Strände und das bunte Treiben auf den Promenaden und Seebrücken entlang der Küste. Die Holsteinische Schweiz bildet mit ihren zahlreichen Hügeln, romantischen Seen und Wäldern, die schon so manchen Künstler inspiriert haben, den Gegenpol zum quirligen Badeleben am Strand. In der Mittagspause an den Strand, nach der Arbeit ein Glas Wein an einer der zahlreichen Promenaden oder noch eine kleine Fahrradtour ins Grüne? In Ostholstein verbinden sich in idealer Weise Lebens- und Arbeitsqualität.
Neben den vielen interessanten Freizeiteinrichtungen kommt hier auch die Kultur nicht zu kurz: Museen und kulturelle Einrichtungen, Konzerte und Theateraufführungen, Open-Air-Veranstaltungen direkt am Strand und viele, viele Festivitäten in den einzelnen Orten laden verlockend zu einem Besuch ein.
Im Vergleich zu den weiteren zehn Kreisen Schleswig-Holsteins hat Ostholstein mit rund 205.000 Einwohner/
innen eine relativ hohe Bevölkerungsdichte. Im Kreisgebiet findet man den höchsten Punkt des Bundeslandes, den Bungsberg mit 168 Metern über Normalnull (NN), und die größte Festlandstiefe der gesamten Bundesrepublik mit 44 Metern unter NN im Hemmelsdorfer See. Das ist ein Höhenunterschied von immerhin 232 Metern! Die Menschen aus dem Süden mögen das belächeln, trotzdem: auf jenem Bungsberg gibt es sogar einen Skilift.
Der Kreis Ostholstein verfügt über eine gut entwickelte Infrastruktur. Die Vogelfluglinie – der Teil der Europastraße E 47 Lissabon – Stockholm zwischen Hamburg und Kopenhagen – als kürzeste Verbindung von und nach Skandinavien verläuft wie eine Hauptschlagader durch das Kreisgebiet und hat seine dynamische Entwicklung maßgeblich beeinflusst.
Und so steht das Thema einer festen Fehmarnbelt-Querung entlang der Vogelfluglinie derzeit ganz besonders im Blickpunkt des Interesses. Neben den Planungen für das Brücken- oder Tunnelbauwerk am Fehmarnbelt sind für die Gemeinden zwischen Lübeck und Puttgarden auch die Ausbaupläne für die Schienenanbindung der Fehmarnbelt-Querung von ganz besonderer Bedeutung. Denn nach Fertigstellung der neuen Verbindung soll über die feste Querung und durch Ostholstein zusätzlich zum Personen- auch der Güterzugverkehr zwischen Skandinavien und Nordeuropa rollen. Hierfür werden mögliche Trassenführungen im Rahmen eines Raumordnungsverfahrens untersucht. Der Kreis hat gegenüber den Entscheidungsträgern auf Bundesebene seine Forderungen unter anderem nach einer verträglichen Linienführung der Bahnstrecke, die in verantwortungsvoller Weise die Interessen von Anwohnern, Urlaubern und Tourismusbetrieben berücksichtigt, eindeutig formuliert. Baubeginn für die fast 20 Kilometer lange Fehmarnbelt-Querung soll im Jahr 2013 sein. Mit der Fertigstellung wird 2018 gerechnet.