Hilfsnavigation
Volltextsuche
Dienstag, 23 Mai 2017
Seiteninhalt

Erbschaft bezeichnet das gesamte Vermögen - und zwar Aktiva und Passiva - einer verstorbenen Person (Erblasserin oder Erblasser). Unter Nachlass versteht man alle Vermögenswerte, beziehungsweise Vermögensrechte und Verbindlichkeiten des Verstorbenen oder der Verstorbenen, die im Wege der Gesamtrechtsnachfolge auf den Erben oder die Erbin übergehen.

Wenn jemand stirbt und keine Verfügung von Todes wegen über ihren oder seinen Nachlass hinterlassen hat, tritt die gesetzliche Erbfolge ein. Sie beruht auf den allgemeinen Vorstellungen darüber, an wen das Vermögen von Verstorbenen gerechterweise fallen sollte. Grundsätzlich erben die Blutsverwandten und der Ehegatte bzw. die Ehegattin beziehungsweise der Lebenspartner oder die Lebenspartnerin (bei eingetragenen Lebenspartnerschaften).

Nichteheliche Lebensgemeinschaften haben kein gegenseitiges gesetzliches Erbrecht. Wollen Sie also Ihre Partnerin oder Ihren Partner als Erbin oder als Erben einsetzen, ist eine Verfügung von Todes wegen (Testament oder Erbvertrag) zwingend erforderlich.

Verwandte werden als Erbinnen oder Erben nach Verwandtschaftsgrad eingeteilt. Es erben jeweils die mit der kleinsten Ordnungszahl:

  • Erben der ersten Ordnung sind die Abkömmlinge der Erblasserin oder des Erblassers und deren bzw. dessen Abkömmlinge.
  • Erben der zweiten Ordnung sind die Eltern der Erblasserin oder des Erblassers und deren oder dessen Abkömmlinge.
  • Erben der dritten Ordnung sind die Großeltern und deren Abkömmlinge.
  • Erben der vierten Ordnung sind die Urgroßeltern und deren Abkömmlinge.

Ist die/der Verstorbene von mehreren Personen gemeinsam beerbt worden, so steht das gesamte Vermögen den Erbinnen beziehungsweise Erben gemeinschaftlich (Erbengemeinschaft) zu.

Wer seine Stellung als Erbin oder Erbe nachweisen will, benötigt grundsätzlich einen Erbschein. In Einzelfällen kann eine Verfügung von Todes wegen in öffentlich beglaubigter Form zusammen mit der Eröffnungsniederschrift des Amtsgerichtes ausreichen (zum Beispiel § 35 Grundbuchordnung).

Als Erbin oder Erbe sind Sie Gesamtrechtsnachfolgerin bzw. Gesamtrechtsnachfolger. Sie sind jedoch nicht verpflichtet, die Erbschaft anzunehmen. Grundsätzlich können Sie innerhalb von sechs Wochen nach Kenntnis des Todes der Erblasserin bzw. des Erblassers sowie nach Kenntnis der Erbstellung die Erbschaft - unter Einhaltung bestimmter Formalien - durch Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht ausschlagen. Nach Ablauf der sechs Wochen gilt die Erbschaft grundsätzlich als automatisch angenommen.

Die Ausschlagungsfrist beträgt ausnahmsweise sechs Monate, wenn die Erblasserin bzw. der Erblasser ihren bzw. seinen Wohnsitz nur im Ausland gehabt hat oder wenn sich die Erbin bzw. der Erbe bei Beginn der Frist im Ausland aufhält.