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Samstag, 21 Oktober 2017
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Eutin. Für den Naturschutz wurde direkt am Kleinen Eutiner See in der Nähe des Ortsrands Eutins eine Ackerfläche erworben und in extensives Grünland umgewandelt. Neue Flächeneigentümerin ist die Kurt und Erika Schrobach-Stiftung mit Sitz in Schwentinental. Eine neue Informationstafel gibt Besuchern nun zukünftig Auskunft darüber, welche Artenschutzziele auf dieser Fläche zukünftig verfolgt und welche Maßnahmen dafür geplant und umgesetzt werden.

Landrat Reinhard Sager weihte heute (16. Oktober) zusammen mit Hannah Kirschnick-Schmidt und Carsten Burggraf vom Verein Wasser Otter Mensch sowie Tanja Hemke von der Kurt und Erika Schrobach-Stiftung die neue Informationstafel ein. „Durch die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten konnten Ziele des Landschaftsschutzgebiet „Holsteinische Schweiz“ und des gleichnamigen Naturparks optimal umgesetzt werden“, lobte Sager. Dazu gehöre beispielsweise der Erhalt des Naturgenusses als auch die Verbesserung der Vielfalt und Schönheit der Landschaft. Beides werde durch die Lage der neuen Naturschutzfläche in unmittelbarer Nähe zum Rundweg und zur Stadt in vorbildlicher Weise erreicht, ergänzte der Leiter des Fachdienstes für Naturschutz des Kreises Ostholstein, Joachim Siebrecht.

Mit der Umwandlung der bisherigen Ackerfläche wurden und werden vor allem strukturreiche Lebensräume für Pflanzen und Tiere geschaffen, die die Artenvielfalt erhöhen. Der Nährstoffeintrag in die Fläche verringert sich zugleich und damit auch die Gefahr der Auswaschung von Nährstoffen in das Grundwasser und den naheliegenden Kleinen Eutiner See. Die Fläche wird durch eine Beweidung mit Robustrindern gepflegt und kurz gehalten. Damit soll auch die Attraktivität für Wildgänse als Nahrungsfläche und Rückzugsort erhöht werden, als Alternative zu umliegenden Ackerflächen.

Die Anlage eines Knicks, zweier Kleingewässer und eines Lesesteinhaufens bietet zudem besonders Amphibien, Reptilien, Vögeln und anderen Kleintieren einen strukturreichen Lebensraum. Auch die Pflanzung alter heimischer Obstbaumsorten sowie die Ansaat mit gebietsheimischen Wildgräsern und -kräutern macht die Weide arten- und blütenreich und wird damit zugleich für Insekten, einschließlich Bienen, zu einem wertvollen Lebensraum.

Das Flächenmanagement obliegt dem Eutiner Verein Wasser Otter Mensch. Der Fachdienst Naturschutz des Kreises Ostholstein hatte den Ankauf der Fläche sowie die Maßnahmenumsetzung aus Ersatzgeldern des Kreises Ostholstein mit insgesamt 70.860 Euro finanziert.

  

Hintergrund:

Kooperationspartner und Finanzierung

Die Kurt und Erika Schrobach-Stiftung mit Sitz in Schwentinental ist eine private Naturschutz-Stiftung, die sich in enger Partnerschaft mit lokal verankerten Vereinen und Verbänden dem Erhalt wertvoller Lebensräume mit ihren Pflanzen- und Tierarten beschäftigt.

Der Eutiner Verein Wasser Otter Mensch kümmert sich nicht nur um die Wiederansiedlung des Otters in Schleswig-Holstein, sondern setzt auch Naturschutzprojekte in und nahe Natura 2000-Gebieten um.

Gänseweide

Wildgänse brauchen zur Nahrungssuche, Rast und Brut vor allem Seen, umliegende Felder und Wiesen als Aufenthaltsorte. Ihre Äsungsplätze müssen niedrig bewachsen sein, damit sich nähernde Feinde gut sichtbar sind. Gänse fressen vor allem kurze Gräser und Kräuter, bedienen sich aber auch gerne am energiereichen Körnerfutter auf bestellten Feldern. Um Schäden durch Gänse auf den intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen zu verringern, wird ihnen mit diesem Projekt eine Ausweichfläche angeboten.

Biotopgestaltung

Kleingewässer sind wertvolle Lebensräume. Sie bieten nicht nur Amphibien und Reptilien Raum zum Leben, sondern auch Weidetieren und Gänsen eine Wasserfläche direkt auf der Weide. Lesesteinhaufen sind aufgeschichtete Steine, die Reptilien, wie zum Beispiel der Zauneidechse, einen geschützten Aufenthaltsort bieten.

Das Anlegen eines Knicks schafft einen vielfältigen Lebensraum für beispielsweise die Haselmaus und im Gebüsch brütende Vogelarten. Mit Blüten und Früchten bietet er Nahrung für die Wildtiere und erfreut das menschliche Auge.

Gebietsheimische Wildgräser und -kräuter

Die direkte Ansaat heimischer Pflanzenarten, wie beispielsweise Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), Gemeines Leimkraut (Silene vulgaris), Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis) oder Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas), kann der Ausbreitung unerwünschter Arten, wie zum Beispiel des Jakobskreuzkrauts, auf der Fläche entgegenwirken. Die Arten- und Blütenvielfalt bietet vor allem Insekten und in deren Folge auch Vögeln und anderen Kleintieren einen wertvollen Lebensraum.

Landschaftsschutzgebiet (LSG)

Das LSG ist ein großräumiges Gebiet mit dem Ziel, die Vielfalt, Eigenart und Schönheit unserer Landschaft sowie deren besonderen Bedeutung für die Erholung rechtsverbindlich zu sichern und zu entwickeln. Das LSG „Holsteinisches Schweiz“ wurde 1965 vom damaligen Kreis Eutin unter Schutz gestellt. Insbesondere im Raum Eutin trägt das LSG dazu bei, die Zersiedlung der Landschaft zu steuern und seine Erholungseignung zu erhalten.

Ersatzgelder

Kann ein Vorhabenträger von Baumaßnahmen nicht den gesetzlich geforderten Ausgleich in der Natur durch Aufwertungsmaßnahmen herstellen, so hat dieser ein Ersatzgeld zu zahlen. Dieses wird von den Unteren Naturschutzbehörden verwaltet und zweckgebunden für Naturschutzmaßnahmen verwendet.

 

Autor: Die Pressesprecherin, 16.10.2015 
Quelle: Kreis Ostholstein