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Datum: 04.01.2018

Gutachten des Kreises zur geplanten 380 kV-Freileitung von Göhl nach Lübeck bestätigt: Erdkabel möglich und teilweise sogar kostengünstiger

Eutin. Der Kreis hat heute (04.01.) den beteiligten Kommunen das von ihm beauftragte Gutachten zum geplanten Bau einer 380 kV-Leitung von Göhl nach Lübeck vorgestellt.
Die Gutachter, Prof. Dr. Jarass und Prof. Dr. Brakelmann, haben dabei mehrere Kabelvarianten auf der Basis von 110 kV- und 380 kV- Leitungen untersucht.

Kreishaus Eutin: V. l.: Horst Weppler, Prof. Dr. Jarass, Pof. Dr. Brakelmann, Landrat Reinhard Sager, Nils Hollerbach, Bürgermeister Thomas Keller
Pressekonferenz 380kV-Freileitung

Das Fazit: Die derzeit geplante Freileitung Lübeck - Göhl belastet massiv die Umwelt, da sie trotz größerer Umwege bebaute Gebiete berühren werde. Sie wurde von der Bundesnetzagentur mit der schlechtesten Bewertung im Umweltbericht versehen. Darüber hinaus ist sie völlig überdimensioniert, da die Auslastung der geplanten 380-kV-Freileitung nur „bei etwa 10%" liegen wird.
Es gibt günstigere Alternativen, die als Kabel mit viel geringerem Aufwand unter der Erde verlegt werden können. So können die Leitungen auf direkterem, kürzerem Weg und teilweise in normalen Gräben an Straßen und Wegen in Breiten von 2,3 m bis 3,8 m verlegt werden.
Weiterer Vorteil: Die Kabelvarianten sind dadurch zum Teil sogar preiswerter als die von der TenneT geplanten Freileitungen.

Landrat Reinhard Sager freute sich über das Ergebnis der Untersuchung und betonte: „Das Gutachten bestätigt unsere Einschätzung und stellt eine belastbare Grundlage dar, um in der weiteren Planung einerseits dem Ziel gerecht zu werden, den Strom aus den Windenergieanlagen abzuführen, und andererseits den Schutz der Menschen und der Umwelt noch besser sicherzustellen.“ Landrat Sager und die Kommunen wollen nun die von den Gutachtern erarbeiteten Alternativen dem zuständigen Minister überreichen, um sie in den weiteren Planungsprozess einzubringen.


Hintergrund:

Schon lange beschäftigt der von der TenneT geplante Bau einer 380 kV- Leitung von Göhl nach Lübeck den Kreis und die betroffenen Kommunen. Immer wieder wurde von der TenneT und auch den zuständigen Ministerien beim Land in zahlreichen Veranstaltungen betont, dass eine Verkabelung der Leitung aus finanziellen, rechtlichen und tatsächlichen Gründen keine Alternative sei.

Die von der TenneT verworfene Kabellösung sah einen etwa 50 m breiten Graben zum Bau der Leitung und alle ca. 900 m Übergabestationen vor. Aus diesem Grunde hatte sich TenneT stattdessen für die Planung einer 380 KV-Freileitung entschieden.

Moderne Kabeltechnologien sind dagegen sehr zuverlässig, ermöglichen hohe Übertragungsleistungen bei schmalen Trassenbreiten und verringern die Kosten deutlich.

Daher haben sich der Kreis Ostholstein und die

 betroffenen Kommunen mit den Planungen von TenneT nicht zufrieden gegeben und zwei Gutachter, Prof. Dr.-Ing. habil. Heinrich Brakelmann, BCC Cable Consulting, Rheinberg, und Prof. Dr. L. Jarass, ATW-GmbH, Wiesbaden, mit der Erstellung eines Gutachtens zur Notwendigkeit und möglichen Ausführung der geplanten Leitung beauftragt.

Das Ergebnis der Untersuchung gibt ihnen recht:

So wird der geplante Abschnitt Lübeck - Göhl von der Bundesnetzagentur mit "C##" bewertet, der schlechtesten im Umweltbericht der Bundesnetzagentur vergebenen Bewertung. Insbesondere belasten die Freileitungen trotz erheblicher Umwege in erheblichem Maße bebaute Gebiete und Natur und Umwelt, während für eine Erdverkabelung deutlich kürzere und direktere Wege eingeschlagen werden können.

Dagegen könnten bei den Kosten je nac

h Variante der Erdverkabelung zwischen 10% und 20% eingespart werden.

Darüber hinaus wird laut Bundesnetzagentur die Auslastung der geplanten 380-kV-Freileitung UW Lübeck-UW Göhl „nur bei etwa 10%" liegen.

Außerdem sieht der neu erarbeitete erste Entwurf des Regionalplans für Ostholstein deutlich weniger Windvorranggebiete vor, nachdem das Schleswig-Holsteinische Oberverwaltungsgericht 2015 die in Schleswig-Holstein geltenden Vorgaben zum Windenergieausbau für rechtswidrig erklärt hatte. Die vom Land mehrfach angekündigte Abstandserhöhung von Windenergieanlagen zu den Siedlungsgebieten wird den möglichen Windenergiezubau weiter verringern. Die Gutachten haben aber in allen Varianten die eher ungünstigen Werte zugrunde gelegt, um immer auf der sicheren Seite zu sein.

Autor/in: stellv. Pressesprecher
Quelle: Kreis Ostholstein


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