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Montag, 11 Dezember 2017
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Stellungnahme 
der  Gleichstellungsbeauftragten 
zur Änderung der Kindertagesstättenförderung


Stellungnahme der Gleichstellungsbeauftragten zu TOP 4 „Änderung der Richtlinien über die Förderung von Kindertagesstätten durch den Kreis Ostholstein“ des Jugendhilfeausschusses am 4.11.2003 

Die Zuschüsse des Kreises zu den Personalkosten der Kindertagesstätten  werden mit der beabsichtigten Reduzierung der Förderquote auf 6,4 % annähernd halbiert.

Da weder die Gemeinden Geld haben noch die Träger der Einrichtungen, können diese Kürzungen nur zu Lasten der Eltern gehen. Noch mehr Eltern stehen dann vor der Frage, ob Berufstätigkeit während der Vorschulzeit finanziell zu verkraften ist. In einzelnen Fällen wird dies dazu führen, dass Berufstätigkeit - und zwar meist die der Frauen - aufgegeben wird. Dies wiederum hat Ausfälle von Konsumkraft, Einkommens-steuern und Sozialversicherungsbeiträgen zur Folge.

Für Eltern steigt die Belastung. Eine Erhöhung der Elternbeiträge für einen KiTa-Platz werden auf 15,- bis 20,- Euro monatlich geschätzt. Dabei gehören schleswig-holsteinische Kindergärten mit Halbtagsplätzen bereits heute – mit bis zu 150,- Euro im Monat – bundesweit zu den teuersten.

Auch durch weitere Beschlüsse der Einsparung im Kinder- und Jugendbereich werden Eltern belastet, beispielsweise durch die geplante Reduzierung der Fahrtkostenzuschüsse für Jugendfahrten und internationale Begegnungen.

‚Kinder-zu-haben’ wird für die Mehrzahl der Eltern teurer. Es besteht die Gefahr, dass hierdurch der Geburtenrückgang verschärft wird. Bereits jetzt bleibt jede dritte Frau kinderlos. Die durchschnittliche Geburtenrate von 1,3 Kindern pro Frau in Deutschland gehört zu den niedrigsten in Europa. Dies bringt weitere Probleme für die sozialen Sicherungssysteme, die auf dem Generationenvertrag basieren.

Der Bildungsauftrag von Kindertagesstätten wird trotz der Ergebnisse der PISA-Studie seit Jahren vernachlässigt. Gerade die Erfahrungen aus nordischen Ländern zeigen, dass der frühkindlichen Bildung besondere Bedeutung zukommt. Eine Verbesserung der frühkindlichen Bildung würde allerdings mehr statt weniger Mittel fordern.
Aus Sicht der Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Ostholstein sind die angedachten Sparmaßnahmen als kritisch zu bewerten, weil sie kontraproduktiv im Sinne einer weiteren Gleichstellung von Männern und Frauen sind. Die Gleichstellungsbeauftragten halten deshalb die geplanten Kürzungen für nicht vertretbar.

Noch mal in Kürze:

  • Sparmaßnahmen im KiTa-Bereich sind kontraproduktiv i.S. einer weiteren Gleichstellung von Männern und Frauen.
  • Eine Erhöhung der Elternbeiträge stellt noch mehr Eltern vor die Frage, ob Berufstätigkeit während der Vorschulzeit finanziell zu verkraften ist.
  • Die Attraktivität Kinder zu bekommen sinkt weiter.
  • Der Bildungsauftrag von KiTa’s gerät völlig aus dem Blick.
  • Die Sparmaßnahmen lassen außer Acht, dass Ausgaben für KiTa’s aus volkswirtschaftlicher Perspektive als Investition verstanden werden müssen, wenn die angebotenen Betreuungszeiten die Erwerbstätigkeit der Mütter ermöglichen.