Inhalt
Inhalt

Rabenvögel

Rabenvögel gehören wie alle anderen europäischen Vogelarten zu den besonders geschützten Arten (§ 7 Abs. 2 Nr. 13 b bb Bundesnaturschutzgesetz in Verbindung mit der Richtlinie 79 / 409 / EWG über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten, geändert durch die Richtlinie 97 / 49 / EG).

Insbesondere ist es unter anderem verboten, wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen, Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören.Unter bestimmten Voraussetzungen kann die untere Naturschutzbehörde für Saatkrähen jedoch Ausnahmegenehmigungen an Personen mit gültigem Jagdschein erteilen. Ausnahmevoraussetzung ist, dass erhebliche landwirtschaftliche Schäden durch die Krähen zu befürchten sind.

Sind Rabenvögel nur eine Plage?

Zu den in Schleswig-Holstein brütenden Rabenvögeln gehören der Kolkrabe (Corvus corax), die Saatkrähe (Corvus frugilegus), die Dohle (Corvus moledula), die Aaskrähe (das sind die Rabenkrähe- Corvus c. corone und die Nebelkrähe Corvus c. cornix), die Elster (Pica Pica) und der Eichelhäher (Garrulus glandarius). 
Den wenigsten ist vielleicht bekannt, dass sie trotz ihrer nur leise gurgelnden oder schnackenern krächzenden Laute zu den Singvögeln gehören. Eine Faszination geht von diesen Vögeln wegen ihres engen Sozialgefüges und ihrer ausgesprochenen hohen Intelligenz aus. Gleichzeitig  vermitteln sie jedoch durch ihr tiefschwarzes Gefieder, die rauh krächzenden Stimmen und durch ihre teilweise Vorliebe für Aas und die gelegentliche Heimsuchung der Saaten Furcht und Abneigung.

Das Verhältnis zwischen den Menschen und Rabenvögeln ist von jeher zwiespältig

Zur Zeit der Germanen galten sie als heilig und waren in Flug und Verhalten das wichtigste Omen vor der Schlacht. Für die pazifistisch - nordamerikanischen Indianerstämme war der Rabe die von allen wichtigste Kreatur, denn er war der Hüter und Bewahrer aller Kulturen. In Böhmen verriet das Schreien der Krähen den Bösewicht im Wald und in Frankreich warnte die Elster durch ihren Schrei den Hirten vor dem Wolf.
Dies sind nur einige wenige Beispiele von vielen, in denen die Rabenvögel eine positive Rolle spielen.
Durch die jüdische und christliche Lehre wurde die Nähe zum Göttlichen zurückgedrängt und der Rabe wurde zur Inkarnation des Bösen - eine Vorstellung, die bis heute vorhält und schon in der Kindheit durch Sprichwörter und Märchen vermittelt wird. Man denke nur an den tiefschwarzen Vogel mit rauh krächzender Stimme auf der Schulter der Hexe oder an negativ behaftete Aussprüche wie "die Rabeneltern".

Warum müssen Rabenvögelgeschützt werden?

Die Unterschutzstellung der Rabenvögel im Jahr 1980 wurde erforderlich, da anhand von verschiedenen Brutbestandserfassungen seit der Jahrhundertwende festgestellt wurde, dass der Bestand der Vögel stark zurückgegangen und mit einer Ausrottung der Arten zu rechnen war. Nach der Unterschutzstellung konnte ein Wiedereinstieg des Bestandes verzeichnet werden. Die ursprünglichen Zahlen sind jedoch noch nicht erreicht worden.
Da Schleswig - Holstein Brutverbreitungsschwerpunkt für die Saatkrähe ist, übernimmt es eine besondere Verantwortung für den Artenschutz. Darüber hinaus gilt Schleswig - Holstein als Überwinterungsgebiet für Vogelschwärme aus nordöstlichen Brutgebieten.

Was treibt die Rabenvögel in die Städte?

Der Mensch trägt dazu bei, dass der natürliche Lebensraum der Vögel wie Hecken, Gebüsche, Wälder und Grünland immer seltener und das Nahrungsangebot durch Veränderungen in der Landwirtschaft immer weniger wird. 
So treibt es die Aaskrähen, Saatkrähen, Dohlen und Elstern in den besiedelten Bereich, wo noch Nistmöglichkeiten und ausreichend Nahrungsquellen vorhanden sind. Auch eine intensive Vergrämung und Bejagung der Vögel unterstützt deren Rückzug der Vögel in die befriedeten Bezirke. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die Zahl der Rabenvögel unverhältnismäßig zugenommen hat.

Haben Rabenvögel Schuld am Rückgang der Singvögel?

Als Begründung für eine Regulierung der Bestände durch Abschussmaßnahmen wird auch häufig das Argument angeführt, dass andere Singvogelarten durch die Rabenvögel gefährdet werden. Diese Behauptung kann nach Aussage der Schleswig-Holsteinischen Vogelschutzwarte und aufgrund der Ergebnisse verschiedener Untersuchungen jedoch nicht bestätigt werden. 
Richtig ist, dass Eier und Jungvögel auch zum Nahrungsspektrum der Rabenvögel gehören. Diese Verluste werden jedoch durch Ersatz- und Zweitbruten normalerweise wieder ausgeglichen. Der Rückgang einiger Singvogelarten ist zumeist auf die Vernichtung ihrer natürlichen Lebensräume zurückzuführen.

Was spricht für die Bestandserhaltung der Rabenvögel?

Rabenvögel tragen dazu bei, dass forst- und landwirtschaftliche Kulturen von einem Massenbefall mit Schädlingen verschont bleiben, da Insekten und deren Larven wie z.B. Spannerraupen, Engerlinge, "Drahtwürmer", Erdraupen und Feldmäuse zu Ihrer Nahrung gehören. Durch die Vertilgung von Aas übernehmen sie darüber hinaus eine wichtige hygienische Funktion in der Natur.
Ein ausreichendes Angebot von Krähen- und Elsternestern in der Feldflur fördert das Brutaufkommen von Vogelarten, die selbst keine Nester bauen wie z.B. Waldohreule, Turmfalke und Baumfalke.

Welchem Schutz unterliegen Rabenvögel?

Aaskrähen, die bisher nach Naturschutzrecht nur mit Einzelgenehmigungen getötet werden durften, fallen seit dem 28. März 2014  unter das Jagdrecht und haben bestimmte Jagdzeiten: Aaskrähen vom 01.08. -  20.02..
Für die Elster gibt es seit 2014 keine Jagdzeiten mehr.
Die Zuständigkeit liegt bei der unteren Jagdbehörde.

Ausnahmegenehmigungen für den Abschuss von Saatkrähen können jedoch  an Personen mit gültigem Jagdschein von der untere Naturschutzbehörde erteilt werden. Ausnahmevoraussetzungen sind erhebliche landwirtschaftliche Schäden (§ 45 Absatz 7 Nr. 1 Bundesnaturschutzgesetz in Verbindung mit der Richtlinie für die Zulassung von Ausnahmen im Einzelfall gemäß § 43 Bundesnaturschutzgesetz bei Saatkrähen, Aaskrähen und Elstern des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Landwirtschaft vom 13.10.2003 (Amtsblatt für Schl-H. S. 770)).Quelle: Jagd- und Schonzeiten in Schleswig-Holstein
Zur Abwehr erheblicher landwirtschaftlicher Schäden und zum Schutze der heimischer Tierwelt ist auch der Fang von Aaskrähen und Elstern mit selektiv fangenden Einzelfangfallen während der Jagdzeit gestattet. Über die getätigten
Fänge ist ein gesondertes Fangbuch zu führen, in welchem die verantwortlichen Jagdausübungsberechtigten die getätigten Fänge nach Arten und Anzahl aufzuschlüsseln und die Kontrollen der Fallen nachzuweisen sind.

Quelle: Landesverordnung über jagdbare Teirarten und die Jagdzeiten v. 18. Oktober 2005


Nach oben

Zurück