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Dienstag, 12 Dezember 2017
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Redebeitrag
Landrat Reinhard Sager

auf dem
Tourismustag Ostholstein Plön
25.09.2003

Gesundheit und Tourismus
Die Region Ostholstein/Plön auf dem Weg
zur Gesundheitsadresse

Anrede

Die Wellness-Welle und ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein haben in letzter Zeit dafür gesorgt, dass die Themen Gesundheit und Tourismus in der Region Ostholstein Plön einen neuen Ansatz und Stellenwert erhalten haben.

Für die touristische und damit auch wirtschaftliche Zukunft der Region scheint eine erfolgreiche Positionierung am Zukunftsmarkt Gesundheits­tourismus inzwischen fast genauso wichtig, wie der Ausgleich saisonaler Schwankungen. Beide Zielsetzungen können jeweils vorhandene Kapazitäten besser auslasten, Einnahmen- und Beschäftigungsverhältnisse sichern, Übernachtungszahlen stabilisieren und - wenn möglich – steigern. Wenn man sie jedoch vernetzt – und davon bin ich überzeugt – können durch die daraus entstehenden Synergieeffekte und neuen Produkte noch erfolgreichere Ergebnisse erzielt werden.

Nach einer Expertise im Auftrag des Landes verfügt Schleswig-Holstein über gute Ausgangsbedingungen, die Chancen des wachsenden Zukunftsmarktes Gesundheit zu nutzen. Im Ver­gleich zum Bundesdurchschnitt hat die Gesundheitswirtschaft für Schleswig-Holstein bereits heute eine überdurchschnittliche Bedeutung. Zugleich wird darin dem Land eine gute Gesundheitsinfrastruktur bescheinigt. Hierzu gehören beispielsweise effizient arbeitende Krankenhäuser, ein dichtes Netz von Rehabilitations- und Mutter-Kind-Kureinrichtungen und eine gut ausgebaute Wissenschaftslandschaft. Genauso zählen dazu aber auch ein breites Angebot an Gesundheits­dienstleistungen, das Klima und eine intakte Umwelt.

So befasst sich eines der Leitprojekte der von der Landesregierung in’s Leben gerufenen „Gesundheitsinitiative Schleswig-Holstein“ mit der Entwicklung des Gesundheits- und Wellness-Tourismus’ in schleswig-holsteinischen Urlaubsorten. Vorhandene Gesundheitsangebote sollen mit anderen Angebotskompo­nenten aus beispielsweise Kultur und Gastronomie vernetzt werden, damit gesundheitsbewusste Touristen gezielter und intensiver angesprochen sowie neue Gäste­potenziale erschlossen werden können.

Und das die Chancen gut stehen, sich am touristi­schen Markt mit gesundheitsorientierten Angeboten zu positionieren, machte die Ministerpräsidentin unseres Landes, Heide Simonis, in ihrer Eröffnungs­rede zum Lübecker Gesundheitskongress im November 2001 nochmals deut­lich. Nach entsprechendem Zahlenmaterial einer TUI-Studie sind von 63 Millionen Bundesbürgern ab 14 Jahren mehr als 25 Millionen im Urlaub grundsätzlich an Fitness-, Beauty- und Kurangeboten interessiert. Ein knappes Drittel davon benannte wiederum Schleswig-Holstein als mögli­ches Reiseziel.

Für die Kreise Ostholstein und Plön bildet die Landesinitiative den idealen Rahmen für alle Aktivitäten, Maßnahmen und Projekte, die das Ziel ver­folgen, unsere Region als Gesundheitsadresse in Schleswig-Holstein zu etablieren. Schließlich gibt es in unserer Region neben hervorragenden naturräumlichen Gegebenheiten zahlreiche Einrichtungen der Gesundheitswirtschaft: Von Krankenhäusern über Vorsorge- oder Rehabi­litationseinrichtungen bis zu Fitness- und Wellnessangeboten. Und die Akteure scheuen keine Mühen, ihre gewachsenen Strukturen neu zu organisieren, ihre Angebote der sich verän­dernden Nachfrage, dem Gesundheitstrend anzupassen. Einzelinitiativen wie das Projekt „Urlaub und Gesundheit“ des Inselkrankenhauses Burg auf Fehmarn oder die Initiative „Gesundheitsscheck“ der Curtius-Klinik Malente sind hier stellvertretend für zahlreiche innovative Aktivitäten genauso wie das Bestreben nach Vernetzungen zu nennen.

So ist der Aufbau regionaler Netzwerke mit dem Ziel, die Kommunikation zwischen der Gesundheitswirtschaft und dem Tourismus zu verbessern, auch das zentrale Anliegen unseres „Gesundheitswirtschaftsprojektes“. Zu einem ersten Austausch unter Moderation der Projekt M Marketingberatung Lüneburg und der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein trafen sich Vertreter von Kliniken aus Plön und Ostholstein sowie der Tourismuswirtschaft im August dieses Jahres. Dabei ging es sowohl um bestehende Probleme in der Zusammenarbeit als auch um neue Ansätze für die Entwicklung gemein­samer Ideen und Angebote. Alle Teilnehmer waren sich einig, die Zusam­menarbeit fortzusetzen, sowohl in lokalen Arbeitsgruppen mit ortsansässigen Kliniken und Touristikern als auch auf regionaler Ebene.

Die Zusammenarbeit steht auch im Rahmen des Projektes der „Gesundheitsregion Holsteinische Schweiz“ im Vordergrund, für dessen Umsetzung ebenfalls die Projekt M Marketingberatung beauftragt wurde. Die Gemeinde Malente, die Städte Eutin, Plön und Bad Segeberg sowie die Kreise Ostholstein und Plön haben sich dabei gemeinsam mit dem Pro­jektträger, dem Holsteinische Schweiz Tourismus e.V., die Bearbeitung des Marktsegmentes „Gesundheitsurlaub“ und damit die erfolgreiche Positionierung in diesem touristischen Zukunftsmarkt zum Ziel gesetzt. Hierzu sollen marktfähige Angebote mit den örtlichen Leistungsträgern entwickelt und zielgruppengerecht vermarktet werden. Gleichermaßen sollen Standort-, Investoren- und Betreiberakquisitionen für regionale Gesundheits- und Wellness-Einrichtungen die nachhaltige Entwicklung der Gesundheitsregion sichern.

Umfassende Analysen haben allerdings gezeigt, dass sich die Holsteinische Schweiz im Bereich des klassischen Gesundheits- und Wellnessurlaubs voraussichtlich nur bedingt positionieren kann. Andere, etablierte Regionen mit größeren infrastrukturellen Potenzialen besitzen hier einen nur schwer einholbaren Vorsprung. Sehr gute Ansätze ergeben sich allerdings, wenn die Positionierung für eine sogenannte „Alltagskompetenz“ für seelische, geistige und körperliche Gesundheit gewählt wird. Das heißt, der Gast soll nicht nur im Urlaub ein bisschen Wellness betreiben. Ihm soll auch die Möglichkeit geboten werden zu erfahren, wie er das alles in einer gewissen Form auf den Alltag übertragen kann. Unter dem Arbeitstitel „Fit und gesund im Alltag“ konnten bereits vier Produktlinien entwickelt werden. Zwei davon sind auch schon mit Angeboten besetzt. Angebote, die sicher auch und gerade außerhalb der Sommersaison gut vermarktbar sind. Die Nachfrage danach ist jedenfalls groß, denn kaum eine andere Region hat diese Angebotslücke bisher genutzt.

Und hier bieten sich auch gute Ansatzpunkte für eine weitere Vernetzung. Der Vernetzung des Projektes Gesundheitsregion Holsteinische Schweiz mit dem Projekt „Saisonalität – Urlaub das ganze Jahr an der Ostsee Schleswig-Holstein und im Binnenland“.

Im Rahmen dieses Projektes befassen sich zahlreiche Institutionen mit saisonstabilisierenden und verlängernden Maß­nahmen. Beteiligt sind hier unter anderem die Regionalverbände Ostseebäderverband und Holsteini­sche Schweiz, die beiden Kreise, die örtlichen touristischen Marketingorganisationen, der Dehoga oder die Arbeitsgemeinschaft Ferien auf dem Bauernhof. Auch hier werden derzeit in einem ersten Schritt die Zielgruppen analysiert und der Bestand vorhandener Frühjahr-, Herbst- und Winterangebote aufgenommen.

Anhand dieser Projekte und Maßnahmen sehe ich der gesundheitstouristischen Zukunft unserer Region mit Interesse und auch einer gewissen Spannung entgegen. Ich bin mir allerdings jetzt schon sicher, dass – wie auch schon in der touristischen Zusammenarbeit zwischen den Kreisen Plön und Ostholstein bewiesen – die Zusammenarbeit und Vernetzung zu guten Ergebnissen führen wird. Eines muss dazu jedoch auch gesagt werden: Angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Situation in unserer ländlichen Region mit wenig Industriebesatz ist und bleibt der Tourismus einer unserer größten Hoffnungsträger für eine zukunftsfähige Wirtschaftsregion.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen noch einen anregenden Tourismustag 2003.

Quelle: Kreis Ostholstein