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Geschichte der Vogelfluglinie

Mit dem Bau der Brücke erfüllte sich ein lange gehegter Wunsch der Verkehrsplaner, die Insel Fehmarn mit dem Festland zu verbinden. Allerdings war nicht ein landfester Anschluss der Insel ihr Hauptanliegen, sondern ein schnellerer Weg nach Skandinavien. Bereits 1866 erhielt der Glückstädter Zivilingenieur Gustav Kröhnke eine Konzession des Königreichs Dänemark für den Plan, den Fehmarn-Belt mit einer Fähre zu überqueren und über den Fehmarnsund einen Damm zu bauen, um damit eine Anschlussstrecke nach Lübeck und Hamburg zu erreichen. Kröhnke dachte dabei in erster Linie an eine Bahnverbindung von Dänemark auf das Festland. Als günstigste Streckenführung erschien ihm der Flugkorridor skandinavischer Zugvögel, die nach ihrem Flug über die Ostsee auf der Insel Fehmarn zum ersten Mal wieder das Festland erreichen und hier Rast- und Futterplätze vorfinden. Der anfangs auch von deutscher Seite befürwortete Plan wurde jedoch bald fallengelassen, um die Ausrichtung des deutschen Eisenbahnwesens auf die Hauptstadt Berlin mit den von dort günstiger gelegenen Fährverbindungen über Warnemünde-Gedser und Saßnitz-Trelleborg voranzutreiben, die dann auch 1903 und 1909 eröffnet wurden.Die Hansestädte Hamburg und Lübeck verfolgten zwar weiter eine Verkehrsverbindung auf der "Vogelfluglinie", der Erste Weltkrieg verhinderte jedoch deren Verwirklichung. Die hohe verkehrswirtschaftliche Bedeutung dieser Trasse blieb auch nach dem Krieg Gegenstand weiterer Planung, und 1922 beschloss der Preußische Landtag erstmalig den Bau einer Brücke über den Fehmarnsund. Voraus ging der Anschluss der Insel an das deutsche Eisenbahnnetz. Die schon in dänischer Zeit eröffnete Strecke von Neumünster nach Neustadt wurde 1881 bis Oldenburg verlängert und führte 1897 bis Heiligenhafen. 1903 wurde der Schienenstrang von Lütjenbrode über Großenbrode nach Großenbrode-Fähre eröffnet und über ein Trajekt nach Fehmarnsund mit dem 1905 fertiggestellten Inselbahnnetz Burgstaaken-Burg-Petersdorf-Ort verbunden. Von einer Weiterführung zu einem Fährhafen Puttgarden, Richtung Dänemark, war allerdings noch keine Rede. Diese Idee verfolgte man 1910 mit der Gründung eines deutsch-dänischen Komitees zur Herstellung einer Eisenbahnverbindung Hamburg-Lübeck-Fehmarn-Lolland-Kopenhagen. Treibende Kräfte in dieser Institution waren u.a. der Hamburger Reeder Albert Ballin und der Senator Possehl aus Lübeck. Diese Diagonalverbindung über Fehmarn nach Hamburg sollte Skandinavien an das südliche und südwestliche Europa anschließen. Es kam 1913 zu einem Staatsvertrag zwischen Preußen und Olden-burg/Oldbg., weil die als erstklassige Hauptbahn projektierte "Bäderbahn" von Bad Schwartau nach Neustadt durch das oldenburgische Fürstentum Lübeck geführt werden sollte. Der Erste Weltkrieg verhinderte dieses Vorhaben erst in den 1920er Jahren konnte der Plan realisiert werden. (1925 Bad Schwartau-Haffkrug, 1928 Haffkrug-Neustadt). Der bereits 1922 vom Preußischen Landtag beschlossene Brückenbau über den Fehmarnsund wurde jedoch erst unter nationalsozialistischer Führung in Angriff genommen.Im Kriegsjahr 1940 vollzogen die Reichsminister Dr. Dorpmüller und Dr. Todt den ersten Spatensich, begleitet vom üblichen Propagandarummel der damaligen Zeit. 1943 unterbrachen dann die Kriegsereignisse die Bauarbeiten, so dass die Sundfährschiffe zwischen Großenbrode und Fehmarnsund weiter die einzige Verbindung zur Insel blieben. Außerdem gab es eine etwa 69 km lange Fährverbindung von Großenbrode nach Gedser auf Falster.