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Naturschutzprojekte im Kreis Ostholstein

Der Kreis unterstützt Naturschutzprojekte.

Projekte und Maßnahmen des Naturschutzes sind immer integrativ und integrierend. Die Ergebnisse wirken positiv auf die verschiedenen Schutzgüter im Naturhaushalt und führen diese zu einem kohärenten Ganzen. Eine in diesem Sinne erfolgreiche Planung und Umsetzung ist immer auch die Zustimmung und Mitarbeit betroffener Gruppen und Akteure angewiesen. Praktischer Naturschutz erfolgt häufig auf Initiative von Privaten, Vereinen, Verbänden oder anderen Institutionen, wie einige der folgenden Beispiele zeigen:

Heiligenhafen: Schutz von Wiesenbrütern im Naturschutzgebiet Graswarder

Auf dem Graswarder sind die Brutbestände stark zurückgegangen. Schon seit 2012 wurden vom NABU Heiligenhafen, der das Naturschutzgebiet betreut, mobile Zäune um die Sturmmöwenkolonien gezogen. Da der Aufwand erheblich und nicht mehr vom Ehrenamt leistbar war, hat der Kreis Ostholstein sich dafür eingesetzt, feste Zäune zu installieren. 2018, 2021 und 2022 wurden mit Landesmittelförderung u.a. um die Sturmmöwenkolonie Doppelstabmattenzäune gebaut. Dadurch ist ein Schutz für Bodenbrüter wie Sandregenpfeifer, Zwergseeschwalbe, Brandgans, Säbelschnäbler und Rotschenkel gegen Fuchs und Marder entstanden, die nachweislich für einen Hauptanteil der Prädation verantwortlich sind. Begleitend greift die Jagd in das Gebiet ein, um Prädatoren vor Beginn der Brutzeit zu entnehmen. Eine extensive Beweidung mit 20 Rindern bietet den Vögeln die optimale Vegetationsentwicklung, um ihre Nester optisch zu schützen und trotzdem einen freien Blick über die Umgebung zu haben. Auf diese Weise steht den brütenden und rastenden Vögeln ein ruhiges Areal an der Ostseeküste zur Verfügung.

Oldenburg: Rekultivierung der ehemaligen Lübbersdorfer Kiesgrube

Die Lübbersdorfer Kiesgrube wurde seit den 1950er Jahren abgebaut. Während der westliche und östliche Teil mit Bauschutt wieder verfüllt und mit Boden abgedeckt wurde, sind im mittigen Teil Teiche und Sandflächen verblieben, die 1989 als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurden. Der östliche und mittlere Teil sind im Eigentum des Kreises Ostholstein. Nach jahrzehntelanger Sukzession, während der auch Waldflächen aufgewachsen sind, wurde 2024 mit der Freistellung der Eigentumsflächen begonnen. Hierfür wurden mit Landesmitteln Gebüsche entfernt, ein Weidezaun gezogen und ein Landwirt mit Robustrindern für die ganzjährige Beweidung gewonnen. Durch die Beweidung wird der Rohboden wieder freigelegt und seltenen Pflanzen wie dem Blaugrünen Schillergras (Koeleria glauca) ein neuer Lebensraum geboten. Zukünftig sollen trockene, kalkreiche Sandrasen entstehen. Zudem ist geplant, die nährstoffarmen Teiche zu optimieren, um Lebensräume für Amphibien zu entwickeln.

Ratekau/Scharbeutz: Wiedervernässung des Schürsdorfer Moores

Das Schürsdorfer Moor liegt zwischen den Ortschaften Schürsdorf und Luschendorf. Es wurde in den Jahren 1964-1974 durch Entwässerungsmaßnahmen weitgehend trockengelegt und wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Das Moor soll, soweit möglich, renaturiert werden, um Flora und Fauna Chancen zur Wiederbesiedlung zu geben sowie eine weitere Mineralisierung und Sackung der Torfe und die damit einhergehende Freisetzung klimaschädlicher Treibhausgase zu verhindern.

Die Wiedervernässung des Schürsdorfer Moors ist ein Projekt des Wasser- und Bodenverbandes Schwartau unter der Geschäftsführung des Wasser- und Bodenverbandes Ostholstein und wurde von der unteren Naturschutzbehörde des Kreises Ostholstein unterstützt und begleitet.

2018 wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt, um die Umsetzbarkeit von Maßnahmen zur Wiedervernässung zu prüfen und ein Zielkonzept zu entwickeln. Auf Grundlage dieses Zielkonzeptes erfolgen seitdem sukzessive Flächenankäufe insbesondere in der „Kernzone“, die für die Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen zwingend zu sichern ist, um nachfolgend durch wasserbauliche Maßnahmen eine Vernässung realisieren zu können. Träger der Maßnahmen ist der Wasser- und Bodenverband Schwartau. Die Finanzierung erfolgt mit Ersatzgeldern der Eingriffsregelung durch den Kreis Ostholstein. Bis 2025 konnten ca. 22 ha erworben und erste kleine Gestaltungsmaßnahmen wie die Pflanzung von Gehölzen und Feldhecken zur randlichen Abgrenzung des Gebiets umgesetzt werden. Diese Flächen werden seitdem extensiv beweidet.

FFH-Gebiete Rosenfelder Brök, NSG Weißenhäuser Strand und Ostseeküste zwischen Grömitz und Kellenhusen: Biodiversität in Dünenlebensräumen fördern

Das FFH-Gebiet „Ostseeküste zwischen Grömitz und Kellenhusen“ erhielt im Jahr 2025 neue Impulse für den Erhalt der biologischen Vielfalt. In enger Zusammenarbeit zwischen der Integrierten Station Holsteinische Schweiz (Eutin), der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und der Unteren Naturschutzbehörde wurde eine Maßnahme zur Förderung gefährdeter und geschützter Dünenlebensräume umgesetzt.

In den Schutzgebieten Rosenfelder Brök und Weißenhäuser Strand wurde Saatgut von besonders artenreichen Graudünenflächen gesammelt – mit größter Sorgfalt und unter Einsatz schonender Methoden wie handgeführter oder maschineller Saatbürsten. Ziel war es, charakteristische und spezialisierte Pflanzenarten wie die Strandgrasnelke, Sand-Segge oder das Echte Labkraut auch auf Flächen nahe Kellenhusen in einen neu geschaffenen geeigneten Lebensraum anzusiedeln.

Im FFH-Gebiet „Ostseeküste zwischen Grömitz und Kellenhusen“, wurde in diesem Jahr durch die Integrierte Station ein Konzept zur Wiederherstellung verbuschter Dünenflächen umgesetzt. Die Öffnung zugewachsener Bereiche ermöglicht dort die Wiederansiedlung typische Dünenpflanzen, die auf offene, nährstoffarme Standorte angewiesen sind. Zusätzlich wurden Zäune erneuert, um die Flächen künftig wieder mit Rindern und Schafen beweiden zu können. Diese extensive Beweidung trägt wesentlich dazu bei, die Offenlandschaft zu erhalten und die Artenvielfalt langfristig zu sichern. Ein Teil der Maßnahmen wurde im Rahmen des Prioritätenkonzepts des Landes Schleswig-Holstein umgesetzt, das gezielt den Schutz und die Entwicklung seltener Lebensräume fördert. Durch die Verbindung von schonender Saatgutgewinnung, Lebensraumaufwertung und gezieltem Artenmanagement entsteht so ein nachhaltiger Beitrag zum Erhalt der wertvollen Küstendünen und ihrer spezialisierten Flora und Fauna – ein Gewinn für die Natur und die biologische Vielfalt der Region.

Großenbroder Moor: Unterstützung für die stark gefährdete Binsenschneide

Die Binsenschneide (wiss. Cladium mariscus) aus der Familie der Sauergrasgewächse, auch bekannt als Schneidried oder Schneidebinse, erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 2,5 m. Ihr charakteristischer Name lässt sich auf die mit scharfkantigen Stacheln besetzen Blattränder und Kiele zurückführen. Die Pflanzenart ist auf kalkreiche, wärmebegünstigte Standorte mit zumindest zeitweise oberflächennahen Bodenwasserständen angewiesen. Da die Kombination dieser Standortfaktoren nur selten vorkommt, ist die Binsenschneide in Schleswig-Holstein nicht weit verbreitet. Aufgrund der seit Jahren anhaltenden Frühjahrs- und Sommertrockenheit als Folge des Klimawandels geraten die vorhandenen Bestände zusätzlich unter Druck.

Im Großenbroder Moor nordöstlich von Großenbrode findet die auf der Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen Schleswig-Holsteins als „stark gefährdet“ geführte Pflanzenart noch geeignete Standortbedingungen vor. Um deren Fortbestand auch für die Zukunft zu sichern, beteiligt sich der Kreis Ostholstein an einer zu diesem Zwecke eingerichteten Projektgruppe aus Vertreter*innen der Unteren Naturschutzbehörde und des Regionalbüro Ostholstein des Deutschen Verbands für Landschaftspflege e.V. (DVL). Weiterhin tragen das Ministerium für Energie­wende, Klimaschutz, Umwelt und Natur (MEKUN) und das Landesamt für Umwelt Schleswig-Holstein zur Arbeit der Projektgruppe bei.

Die Projektgruppe entwickelt auf Grundlage eines wissenschaftlichen Gutachtens in enger Abstimmung mit der Gemeinde und dem Wasser- und Bodenverband Großenbrode Maßnahmen, die zum Erhalt der Pflanzenbestände beitragen. Hierbei steht die Vereinbarkeit der Maßnahmen mit den Interessen der Flächeneigentümer*innen und Bewirtschafter*innen stets im Vordergrund. Im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen werden die Ergebnisse der Projektgruppe in regelmäßigen Abständen präsentiert und der Dialog mit den Flächennutzer*innen hergestellt.

Die Abstimmungen für die Umsetzung von Maßnahmen laufen derzeit. Die Projektgruppe ist optimistisch, die Bestände der Binsenschneide gemeinsam mit der Eigentümer- und Nutzergemeinschaft auch für die Zukunft erhalten zu können.