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Zukunftsfeste Notfallversorgung in Ostholstein:
Rettungsdienst wird ausgebaut und modernisiert - Notarztstandort auf Fehmarn bleibt erhalten

Autor/in: Die Pressesprecherin
Quelle: Kreis Ostholstein

Landrat Timo Gaarz fordert einen zweiten nachtflugfähigen Rettungshubschrauber für Ostholstein

Eutin. Der Kreis Ostholstein stärkt seine rettungsdienstliche Versorgung. Infolge der sich aktuell verändernden bundespolitischen Rahmenbedingungen ist der Druck auf den kommunalen Rettungsdienst in den vergangenen Wochen weiter gestiegen. Der Verwaltungsrat der Rettungsdienst Holstein AöR (rdh.) unter dem Vorsitz von Landrat Timo Gaarz und rdh-Vorstand Christian Kraft haben diese Entwicklung zum Anlass genommen, die bisherigen Planungen erneut gemeinsam fachlich zu bewerten und weiterzuentwickeln.

Die aktuelle rettungsdienstliche Bedarfsbemessung schafft dafür die Grundlage: zusätzliche Rettungsmittel, neue Standorte, telemedizinische Unterstützung und ein noch gezielterer Einsatz hochqualifizierter Fachkräfte. Berücksichtigt wurden die Entwicklung des Einsatzgeschehens, demografische und gesellschaftliche Veränderungen sowie die absehbaren bundesrechtlichen Rahmenbedingungen.

Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: In einem medizinischen Notfall steht auch künftig schnell die Hilfe bereit, die in der jeweiligen Situation benötigt wird – durch qualifizierte Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter, durch Notärztinnen und Notärzte oder im abgestimmten Zusammenspiel beider Professionen.

Der vorgesehene Ausbau der rettungsdienstlichen Infrastruktur durch zusätzliche Rettungswachen, unter anderem an den Standorten Süsel, Stockelsdorf und Fargemiel sowie ergänzende organisatorische Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass die Menschen im gesamten Kreisgebiet auch künftig schnell und verlässlich versorgt werden. Neben drei Notarztstandorten auf dem Festland bleibt der Notarztstandort auf Fehmarn erhalten.

„Wir investieren gezielt in eine starke und moderne Notfallversorgung. Mehr Rettungsmittel, neue Standorte und die Vernetzung unterschiedlicher medizinischer Kompetenzen erhöhen die Verfügbarkeit und schaffen ein belastbares System für die kommenden Jahre“, erklären Gaarz und Kraft. „Die Planung beruht auf umfangreichen Fachgutachten und wissenschaftlichen Analysen sowie auf der engen Zusammenarbeit zwischen dem Rettungsdienst Holstein, externen Expertinnen und Experten und dem Verwaltungsrat.“

„Mit dieser Entscheidung wird insbesondere den Anforderungen der Insellage Rechnung getragen. Zugleich steht der Kreis durch den Bau der Schienenanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung und weiteren Baumaßnahmen vor besonderen verkehrlichen Herausforderungen. Die vergangenen Wochen haben erneut gezeigt, welch sensibles Nadelöhr die Verbindung zwischen Fehmarn und dem Festland darstellt. Eine schnelle medizinische Hilfe unmittelbar auf der Insel ist deshalb unverzichtbar“, betont Landrat Timo Gaarz.

„Wir behalten die Daseinsvorsorge in ganz Ostholstein fest im Blick und stellen den Rettungsdienst mit zusätzlichen Rettungswachen, organisatorischen Maßnahmen und vier Notarztstandorten zukunftsfest auf. Der ländliche Raum muss bei allen Entscheidungen über die künftige Gesundheits- und Notfallversorgung konsequent mitgedacht werden. Das ist unser klares Signal nach Kiel und Berlin.“

Darüber hinaus setzt sich Landrat Gaarz für eine Stärkung der Luftrettung ein und unterstützt die Überlegungen der Gesundheitsministerin zur Stationierung eines zweiten Rettungshubschraubers im Kreis Ostholstein.

„Ein zweiter und dazu nachtflugfähiger Rettungshubschrauber ist für Ostholstein notwendig. Er würde insbesondere den Norden des Kreises und die Insel Fehmarn besser absichern, zugleich aber die Notfallversorgung in der gesamten Region stärken“, erklärt Gaarz. „Auch nach Einschätzung der Fachleute brauchen wir diese zusätzliche Luftrettung, um bei Verkehrsbehinderungen und in zeitkritischen Notfällen schnelle Hilfe sicherzustellen. Ich werbe deshalb mit Nachdruck dafür, das Vorhaben konsequent weiterzuentwickeln und schnellstmöglich umzusetzen.“

Mehr Rettungswagen und Krankentransportwagen

Im Zuge der Neuplanung werden zusätzliche Rettungswagen (RTW) und Krankentransportwagen (KTW) in Dienst gestellt. Sie erhöhen die Verfügbarkeit im Kreisgebiet und ermöglichen es, die wachsende Zahl und die zunehmende Vielfalt der Einsätze noch passgenauer abzudecken.

Darüber hinaus plant die rdh weitere Rettungsdienststandorte. Zusätzliche Stationierungen von Rettungswagen in den Gemeinden Fargemiel und Stockelsdorf werden derzeit geprüft. Kürzere Wege und eine bessere räumliche Verteilung der Rettungsmittel sollen die Versorgung in diesen Regionen weiter stärken.

Notfallsanitäter übernehmen mehr Verantwortung

Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter sind eine tragende Säule der modernen Notfallversorgung. Ihre umfassende Ausbildung, klar definierte heilkundliche Kompetenzen und moderne Behandlungsstandards ermöglichen es, viele Patientinnen und Patienten bereits am Einsatzort eigenständig und auf hohem fachlichem Niveau zu versorgen.

Damit steht für unterschiedliche Notfallbilder gezielt die jeweils erforderliche Kompetenz zur Verfügung. Notärztinnen und Notärzte können sich auf zeitkritische, komplexe und besonders schwere Einsätze konzentrieren, während Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter ihre Kompetenzen konsequent einbringen. Das stärkt die Versorgung aller Patientinnen und Patienten.

Ergänzt wird die Versorgung durch moderne Telemedizin. Künftig kann die Besatzung jedes Rettungswagens im Kreis Ostholstein bei Bedarf unmittelbar einen Telenotarzt hinzuziehen. Die Telenotärztinnen und Telenotärzte unterstützen bei Diagnostik, Therapieentscheidungen und heilkundlichen Maßnahmen. Bei Einsätzen, die eine Ärztin oder einen Arzt vor Ort erfordern, wird weiterhin die boden- oder luftgebundene Notfallmedizin eingesetzt.

„Unser Ziel ist ein Rettungsdienst, der nicht nur auf heutige Anforderungen reagiert, sondern auch für die Herausforderungen der kommenden Jahre gerüstet ist. Die jetzt vorgestellten Maßnahmen verbinden mehr Kapazität mit neuen Versorgungsmöglichkeiten und einer starken medizinischen Vernetzung“, erklärt Michael Mallé, Leiter Rettungsdienst der rdh.

Notärztliche Versorgung bleibt flächendeckend erhalten

Die notärztliche Versorgung bleibt ein fester Bestandteil des Systems. Wer aufgrund eines schweren oder komplexen Notfalls ärztliche Hilfe am Einsatzort benötigt, erhält diese auch künftig. Die Bedarfsplanung sieht dafür vier bodengebundene Notarztstandorte in

• Süsel
• Bad Schwartau
• Oldenburg in Holstein
• Burg auf Fehmarn

vor. Ergänzt wird das bodengebundene System durch den etablierten Rettungshubschrauber Christoph 12 in Siblin. Er ist insbesondere bei zeitkritischen Einsätzen und größeren Entfernungen ein wichtiger Bestandteil der Versorgung.
„Die geplanten Weiterentwicklungen der Notfallversorgung und des Krankentransportes in Ostholstein tragen den sich verändernden Bedarfen und finanziellen Rahmenbedingungen Rechnung, denn neue Herausforderungen bedürften neuer Lösungsansätze“, so Dirk Sohn, Präsident des DRK-Kreisverbandes Ostholstein-Plön e.V. „Wir sind uns sicher, auch in Zukunft diese Weiterentwicklungen zu begleiten und wo notwendig mit gestalten zu können und sichern dies auch aus unserem Selbstverständnis heraus zu: Der Hilfe aller Menschen nach dem Maß der Not und der Unterstützung der öffentlichen Hand bei der Bewältigung ihrer hoheitlichen Aufgaben."

Neue Einsatzmittel für passgenaue Hilfe

Mit speziell ausgestatteten Akut-Krankenwagen (A-KTW) und Rettungseinsatzfahrzeugen (REF) möchte die rdh zukünftig ihr Einsatzspektrum erweitern. Die A-KTW sollen mit speziell ausgebildeten und erfahrenen Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitätern besetzt werden. Sie kommen vor allem bei akuten, aber nicht lebensbedrohlichen Hilfeersuchen zum Einsatz. So bleiben Rettungswagen gezielt für schwere und lebensbedrohliche Notfälle verfügbar, während auch andere Hilfesuchende schnell und bedarfsgerecht versorgt werden.

Die REF sollen mit speziell geschulten Notfallsanitäterinnen oder Notfallsanitätern besetzt und insbesondere bei lebensbedrohlichen Notfällen zusätzlich zum Rettungswagen (RTW) alarmiert werden. Sie unterstützen die Besatzungen der RTW oder beginnen bereits mit der Versorgung, bis das nächstgelegene Rettungsmittel eintrifft.

Hauptamtliche Leitende Notärzte ab 2027

Ab dem 1. Januar 2027 ist vorgesehen, die medizinische Führung im Kreis Ostholstein weiter auszubauen. In diesem Zusammenhang wird die Einführung hauptamtlicher Leitender Notärztinnen und Notärzte geprüft.
Diese könnten künftig rund um die Uhr das Notarzteinsatzfahrzeug im sog. Dual-Use-System in Oldenburg i.H. besetzen und bei Bedarf für größere Schadenslagen, besondere Einsatzsituationen sowie komplexe medizinische Führungsaufgaben zur Verfügung stehen.

Auf dem richtigen Weg für Ostholstein

Zusätzliche Rettungsmittel, neue Standorte, qualifizierte Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter, eine verlässlich verfügbare notärztliche Versorgung und innovative Einsatzkonzepte greifen künftig noch enger ineinander. So wird die Notfallversorgung in Ostholstein leistungsfähig, flexibel und nachhaltig für die Zukunft aufgestellt.

Yonathan Arnold, Regionalvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., sieht die Veränderungen ebenfalls durchweg positiv. „Die Johanniter sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil des Rettungsdienstes in Ostholstein. Die geplanten Veränderungen greifen an den richtigen Stellen an und werden helfen, die Herausforderungen der Zukunft zu lösen. Die geplanten Veränderungen werden nicht aus dem Bauch heraus getroffen, sondern aufgrund von umfangreicher Beschäftigung und Beratung. Nach 12 Jahren Notfallsanitätergesetz und sehr kompetenten Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern ist es zukunftsgerichtet und überfällig, die Kompetenzen des Fachpersonals zu nutzen, alte Zöpfe abzuschneiden und diesen modernen ausgewogenen Weg mitzugestalten. Die rdh zeigt mit den Konzepten, wie moderne Notfallversorgung entwickelt und verändert werden kann bei Beibehaltung und sogar Verbesserung des gewohnten Versorgungsniveaus. Wir freuen uns, diesen guten und modernen Weg gemeinsam mit der rdh in die Zukunft zu gehen.“

Der Deutsche Berufsverband Rettungsdienst e. V. (DBRD) unterstützt diese Weiterentwicklung. Aus Sicht des Berufsverbandes sind insbesondere die stärkere Nutzung der Kompetenzen von Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern, die telemedizinische Unterstützung und der bedarfsgerechte Einsatz notärztlicher Ressourcen wichtige Bausteine eines zukunftsfähigen Rettungsdienstes.

Dazu erklärt Frank Flake, 1. Vorsitzender vom DBRD:

„Die Planungen in Ostholstein setzen genau an den richtigen Punkten an: neue veränderte Rettungsmittel, qualifizierte Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter, bei Bedarf auch telemedizinische Unterstützung und weiterhin eine verlässlich verfügbare notärztliche Versorgung. Moderne Notfallversorgung bedeutet, dass Patientinnen und Patienten schnell genau die medizinische Kompetenz erhalten, die sie in ihrer konkreten Situation benötigen. Notärztinnen und Notärzte bleiben für zeitkritische, komplexe und besonders schwere Notfälle unverzichtbar. Zugleich ist es ein richtiger und überfälliger Schritt, die Kompetenzen der sehr gut ausgebildeten Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter konsequent zu nutzen und die verschiedenen Versorgungsbausteine intelligent miteinander zu vernetzen. Entscheidend für die Umsetzung sind Transparenz und eine fortlaufende Evaluation anhand von Erreichbarkeit, Versorgungsqualität und Patientensicherheit. Mitdiesen Voraussetzungen setzt Ostholstein ein starkes Signal für die moderne Weiterentwicklung des Rettungsdienstes.“